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Dez 18

Aufsichtspflicht in Kindertagesstätten – Mit einem Bein im Gefängnis?

Sicherheit als oberstes Ziel?

Seit vielen Jahren leite ich Seminare zum Thema „Aufsicht und Haftung in der KiTa“ und mir fällt auf, dass Erzieherinnen, das pädagogische Personal im Kindergarten, sich immer weniger trauen, so dass den Kindern im Kindergarten, Hort oder Krippe „nur ja nichts passiert“. Hortkinder werden nicht mehr alleine zum Bäcker von nebenan geschickt, alle gefährlichen Gegenstände beseitigt und die Kinder werden keine Sekunde aus den Augen gelassen.

Ein Unfall ist noch lange keine Aufsichtspflichtverletzung!

Passiert dennoch mal ein kleiner Unfall, so suchen die Eltern, meist auch die Erzieherinnen selbst, nach dem Schuldigen! Aber ist tatsächlich immer jemand SCHULD, wenn ein Kind sich verletzt? Nein! Kindern muss, entsprechend ihres Alters, auch ab und an etwas zugetraut werden, so dass sie lernen Verantwortung zu übernehmen und eine Gefühl „ich kann etwas“ entwickeln, aber auch in ihrer Gesamtentwicklung Fortschritte machen können.

Starke Kinder – Erziehung zur Selbständigkeit

Das Gefühl des Könnens, eine Situation alleine gut bewältigt zu haben mit dem Vertrauen und Zutrauen der Erzieherin macht Kinder stark, selbstbewusst und erfüllt den gesetzlich formulierten Erziehungsauftrag „Erziehung zur Selbständigkeit“.

Und jetzt kommt die große Überraschung, und dass sieht auch Lehre und Rechtsprechung so: „Was pädagogisch nachvollziehbar begründet ist, kann keine Aufsichtspflichtverletzung sein!“ (Simon Hundmeyer)

Wir dürfen Kinder fordern und fördern, wir dürfen ihnen etwas zutrauen, dürfen in der Pädagogik etwas riskieren, wenn wir davon überzeugt sind, dass dies das Kind bewältigen kann. Denn: Kinder können viel mehr, als wir Erwachsene denken!

 

Margit List, 18.12.16