«

»

Apr 09

Vorwürfe – Wie Streit garantiert eskaliert!

vorwurf Bild Mercedes

                               „Hätten wir mehr von Ihrer Sorte, so könnten wir den Laden schließen!“

Ständig diese Vorwürfe!

Vorwürfe, wir alle kennen sie! Vorwürfe sind Äußerungen, mit denen wir jemanden sagen, dass er Fehler gemacht hat oder sich nicht richtig verhalten hat. Fügen wir dann noch Verallgemeinerungen mit hinzu, wie „immer, alles, nichts, typisch, nie“, so eskaliert ein Streit garantiert!

„Nie hast Du Zeit für mich!“, ist ein Klassiker, oder: „Nie bist Du da, wenn ich Dich brauche!“, oder: „Typisch, ständig hängst Du am Telefon!“

Streit verfestigt sich, Beziehungen gehen kaputt, die „emotionale Bombe“ platzt!

Kommt Ihnen das bekannt vor? Ich denke ja, jeder von uns hat schon unzählige Vorwürfe ausgesprochen, oder an den eigenen Kopf geworfen bekommen. In der Arbeit, in der Familie, in der Partnerschaft. Doch: Was bringt uns der Vorwurf?

NICHTS, oder besser gesagt: GAR NICHTS!!! Ein Vorwurf ist eine nagative destruktive Kritik, ein Angriff auf die gesamte Person und alles andere als eine konstruktive konkrete Kritik, über ein Verhalten mit dem Wunsch verknüpft, doch bitte etwas zu verändern. Ein Vorwurf ist zerstörend, macht Beziehungen kaputt, verfestigt Konflikte, lässt menschliche Gefühle eskalieren oder Menschen resignieren. Mit dem Vorwurf kritisiere ich nicht das Verhalten meines Kollegen, meines Partners, sondern seine ganze Persönlichkeit, seinen Charakter, indem ich ihm etwas Negatives auf sein ganzes ICH zuschreibe: „Du kümmerst Dich um nichts!“ Wie reagieren Sie auf so einen Vorwurf? Klar! Dem Gegenüber bleibt nichts anderes übrig als zum Gegenangriff zu gehen, oder sich resigniert zurückzuziehen. Was soll man auf einen Vorwurf auch sonst sagen?

DAS richtige Verhalten, gibt’s das?

Ja, der Vorwurf! Er ist schwer, kostet Kraft und liegt wie ein Stein vor unseren Füßen. Dem anderen etwas vorwerfen bedeutet nichts anderes, als das der andere meine Erwartungen nicht erfüllt, das der andere sich nicht so verhält, wie ich es für richtig halte. Sowas aber auch! Wieso ist der andere eigentlich keine Marionette? Gibt es ein richtiges Verhalten und ein falsches Verhalten überhaupt in gewöhnlichen, alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen? Nein, nicht wirklich! Jeder reagiert in dem Moment, in der Situation so gut wie er kann. Es ist seine Reaktion! Dem gegenüber steht meine Vorstellung, wie sich der andere verhalten sollte!

Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg

Jeder Vorwurf ist nichts anderes als ein versteckter Wunsch an den anderen. Der Vorwurf gehört gar nicht dem anderen, sondern mir selbst! Was sagen Sie dazu? Er gehört mir, hat mit mir zu tun und nicht mit der anderen Person, die in meinen Augen etwas falsch  gemacht hat. Hier ist der Punkt an dem wir anfangen können, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen, ganz im Sinne von Marshall B. Rosenberg, der Gewaltfreien Kommunikation. In den Augen von Rosenberg ist ein Vorwurf verbale Gewalt dem anderen Gegenüber, der ihn in sein Ohnmacht stürzen lässt und wie ein Stein auf seinen Füßen liegt. Wir können lernen für uns selbst Verantwortung zu übernehmen, indem wir unsere Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken, dem anderen mitteilen: „Hast Du heute Abend Zeit mit mir spazieren zu gehen?“, oder: „Wenn ich Dich dringend brauche, kann ich Dich da auch kurz in der Arbeit anrufen?“, oder: „Ich fänd’s schön, wenn Du während dem Essen keine Telefonate annehmen würdest.“

Ganz einfach, oder? … und doch im Alltag so schwer! Es ist eben leichter beim anderen Fehler zu suchen und zu finden, als sich selbst an der Nase zu ziehen, für sich selbst und seine Bedürfnisse einzustehen und diese dem andern mitzuteilen.

Margit List, 09.04.2015